Die Fremdenlegion – Mythos und Wahrheit in Vergangenheit und Gegenwart Mentertainment

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Sie kämpfen nicht für ihr Vaterland sondern für Frankreich, die Soldaten der Fremdenlegion. Weltweit gibt es keine vergleichbare Einheit mehr. Ihre Einsatz gebiete reichten von Asien bis nach Afrika, doch was welche Mythen sind wahr? Warum sind die Marschlieder der Fremdenlegion deutsch? Die Fremdenlegion in der Menify Reportage.



Die Französische Fremdenlegion, die Légion étrangère, zählt zweifellos zu den berühmtesten Armeeeinheiten unserer Zeit und der jüngsten Vergangenheit. Ihr klangvoller Name fällt durchaus im selben Atemzug mit historischen Armeen wie der des Römischen Imperiums, des Heeres Hannibals von Karthago oder den Truppen Xerxes von Persien. Wenngleich die Legion keine Angriffsarmee im eigentlichen Sinne ist und daher natürlich nicht mit den Landgewinnen der eben genannten historischen Truppen mithalten kann, so sucht man in der Weltgeschichte in Puncto Tapfer- und Kühnheit, Opferbereitschaft und Zusammenhalt nach ihres Gleichen! Doch was ist in unserer Wahrnehmung wirklich den Tatsachen entsprechend und welche “Fakten“ beruhen mehr oder minder auf Mythen? Wie und was ist die Legion heute? Und wie wurde sie zu dem was sie heute ist?

Marokko, Fremdenlegion

Die Fremdenlegion in Marokko im Jahr 1920. Legionäre auf dem Marsch. In einer Kompanie wo je zwei Mann einen Esel zum Reiten haben und sich stündlich ablösen. Bild: Bundesarchiv, Bild 102-00721 / CC-BY-SA

Die Anfänge der Fremdenlegion

Die Fremdenlegion als militärischer Teilverband ist das Produkt der jahrhundertelangen Tradition des französischen Heeres, ausländische Soldaten in ihren Reihen dienen zu lassen. Die Praxis weit über die Landes- sowie die Grenzen des eigenen Volkskörpers hinaus um Freiwillige zu werben geht zurück bis ins 12. Jahrhundert. Als direkter Vorläufer gilt es hier das Regiment Hohenlohe hervorzuheben. 1814 gegründet um die Französische Revolution zu bekämpfen wurde es zwar bereits 1830 nach der Julirevolution aufgelöst, die meisten der Kämpfer bildeten aber die 1831 gegründete Légion étrangère. Hauptgrund hierfür war die geplante Kolonialisierung Algeriens durch Frankreich. Fortan bildete die Legion die Speerspitze der „Grande Nation“. 1854 folgte der Krimkrieg, 1870 der deutsch-französische Krieg und von Ende des 19. bis in die erste Hälfte des 20 Jahrhunderts die Kolonialkriege (Sudan, Tonkin, Madagaskar uvm.), sowie Weltkrieg I und II. Über die Jahrzehnte hinweg erkämpfte und manifestierte die Legion ihren Nimbus der niemals aufgebenden Truppe. Ursprung dieses Rufes ist das Gefecht bei Camerone.

Video: Reportage über Deutsche in der Fremdenlegion

„Camerone“ – Geburtsstunde des Mythos Fremdenlegion

Nach dem Mexikanischen Bürgerkrieg um das Jahr 1860, interveniere Frankreich in Mexiko mit einer Streitmacht, mit dem Ziel, die eigentlich bereits unterlegenen Konservativen Kräfte an die Macht zu bringen, um so eine Marionetten-Regierung installieren zu können. So kam es, dass am 30.April 1863 ein Trupp aus 63 Legionären sowie ihrer 3 Offiziere abkommandiert wurde um die Vorhut für einen Nachschubkonvoi zu bilden. Im Zuge dessen wurden sie von der mexikanischen Armee attackiert. Sie fanden Schutz auf der „Hazienda Camerone“ und leisteten ihren rund 2000 Gegnern erbitterten Widertand. Erst als ihnen die Munition ausging ergaben sie sich ihren Belagerern, allerdings nur unter der Bedingung ihre Waffen behalten zu können. Die Opferzahlen beliefen sich auf 40 Tote Legionäre inklusive ihrer 3 Offiziere und rund 300 gefallene mexikanische Soldaten. Dieser Tag steht fortan sinnbildlich für die Opferbereitschaft und Tapferkeit der Fremdenlegion. Napoleon III verfügte, dass das Wort „Camerone“ von nun an die Fahne der Fremdenlegion zieren sollte, außerdem wurden die Namen der 3 gefallenen Offiziere in Gold in den Invalidendom in Paris gemeißelt. Der 30. April bildet den höchsten Feiertag in der Legion.

Franzose durch vergossenes Blut

Mindestens genau so berüchtigt wie der Todesmut seiner Kämpfer ist das System der Fremdenlegion die es jedem Legionär nach seiner Dienstzeit ermöglicht eine neue Identität anzunehmen. Ausländer können so die französische Staatsbürgerschaft, Franzosen die eines anderen Landes erwerben. Nahe liegend, dass dieses System auch durchaus Personen anzieht für die es von Vorteil sein kann, eine neue Identität zu erhalten. Doch so unterschiedlich wie die Nationen der Männer die in der Legion dienen, so unterschiedlich sind auch ihre Beweggründe. Jede Zeit brachte dabei eine bestimmte Klientel zu Tage. Waren es in den Gründungsjahren vor allem Belgier und Schweizer die sich in der Legion verdingten, so stellten nach Ende des Zweiten Weltkrieges deutsche Freiwillige rund 1/3 der Mannstärke der Legion.

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Soldaten der Fremdenlegion bei einer Parade in Algerien, vermutlich im Jahr 1958. Bild: Lieutenant-colonel Paul Paschal (1919-1994)

Deutsche im Dienste Frankreichs

Seit der Aufstellung der Légion étrangère war Deutschland beliebtes Rekrutierungsgebiet, nicht zuletzt natürlich aus Prestigegründen. Die größte Bedeutung nahmen deutsche Freiwillige allerdings nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein. Frankreich kämpfte in Indochina um den Erhalt seiner Kolonien und gefördert durch die USA, gegen ein Erstarken des Kommunismus in Ost-Asien. Dafür war es dringend auf frische, aber erfahrene Kräfte angewiesen. In Deutschland fand man zu dieser Zeit genau dies, lag doch ein ganzer Militärapparat brach. So wurden durchaus Abstriche beim Rekrutierungsverfahren gemacht, wodurch vor allem ehemalige Mitglieder der Waffen-SS profitierten. Doch auch die erfahrenen Kräfte aus dem Land des Erbfeindes vermochten es nicht die französische Niederlage in Indochina abzuwenden. Das Fanal der Götterdämmerung bildete hierbei die Schlacht um Điện Biên Phủ. Die in der dortigen Festung stationierten Fremdenlegionäre stemmten sich den 65.000 angreifenden Viet Minh entgegen, aber mussten sich letzten Endes der vielfachen Übermacht geschlagen geben.

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Fremdenlegionäre in Indochina, im Jahr 1954. Bild: Wikipedia/Davric

Der deutsche Journalist und Vietnam-Experte Peter Scholl-Latour resümierte wie folgt über die Schlacht:

„Die Überlebenden von Dien Bien Phu erzählten von der Schlacht, vom Versagen der Führung, von der schrecklichen Überraschung, als plötzlich Artilleriefeuer auf ihre unzureichenden Stellungen trommelte. Ein Thai-Bataillon war sofort übergelaufen. Die übrigen farbigen Truppen hatten sich passiv verhalten und Deckung gesucht. Wirklich gekämpft bis zum letzten Erdloch und bis aufs Messer hatten lediglich die französischen Fallschirmjäger, und die Fremdenlegionäre, zu 80 % Deutsche, seien zum Sterben angetreten wie in einer mythischen Gotenschlacht.“

Im Laufe der 60er Jahre rekrutierte die Legion immer weniger Deutsche und so sank die Bedeutung der teutonischen Truppen im Dienste Frankreichs. Als Ehrerweisung und Überbleibsel ist es allerdings auch noch heute Tradition deutsche Militärmärsche beim Marschieren zu singen.

Die Zeit hat die Fremdenlegion verändert

Mit den tagespolitischen Gegebenheiten änderte sich auch das Aufgabengebiet der Fremdenlegion. Mit dem Wegfall der meisten französischen Kolonien und einem Wandel Frankreichs zu einem Nato-Partner und führendem EU-Mitglied werden andere Ansprüche an die Truppe gestellt. Neben wechselnden Bedarfsfeldern, wie der Einsatz in temporären Krisengebieten oder wenn es darum geht französische Staatsbürger aus Gefahrenherden zu befreien, bildet eine stationäre Hauptaufgabe der Legion heute vor allem die Bewachung des Horn von Afrika sowie des Weltraumbahnhofs in Französisch-Guinea.
Aber auch im Anti-Terrorkampf sowie als Interventionstruppe der Nato (Bosnien, Kosovo, Afghanistan) erwies sich die Legion als zuverlässiger und schlagkräftiger Partner ihrer westlichen Verbündeten. Daneben leistete und leistet die Fremdenlegion ebenfalls humanitäre Hilfe, so z.B. 2004 nach dem Tsunami in Südostasien oder 2006 im Libanon.
Auch wenn die Romantik des Söldners mit anrüchiger Vergangenheit der Realität der Moderne gewichen ist, so bleibt der Mythos des unnachgiebigen und tapferen Legionär bestehen. Und dies nicht zu Unrecht!

Video: Die Fremdenlegion in der „grünen Hölle“ von Französisch Guayana

Heute zählt die Legion ca. 7700 Soldaten, verteilt auf 10 Standorte in Europa, Afrika, Südamerika sowie im pazifischen Ozean. Hauptsächlich eingesetzt, um sensible Objekte (z.B. die Abschussbasis der Ariane-Rakete in Französisch Guayana) zu bewachen, sowie für Frankreich ebenso wie für Europa strategisch wichtige Basen zu unterhalten (Camp de la Paix in den VAE). Die Fremdenlegion wurde in den vergangenen 40 Jahren häufig auch für andere Einsätze herangezogen; so zum Beispiel im Tschad (1969-1970, 1978-1988), in Zaire (1978), in Beirut im Libanon (1983) usw., immer öfter auch zusammen mit multinationalen Sicherheitstruppen.

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Ein Cugar der spanischen Armee setzt Soldaten der Fremdenlegion (2nd Foreign Infantry Regiment (2e REI)) in Afghanistan ab. Bild: Wikipedia/Davric

Titelbild: Fremdenlegionär im Mali-Einsatz, 2004.

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