Christian Haller – Auf eigene Faust gegen den IS Mentertainment

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Sich selbst in Gefahr begeben, um in einem fremden Land gegen Terroristen zu kämpfen. Was für viele Menschen kaum vorstellbar scheint, hat Christian Haller in die Tat umgesetzt. Sieben Monate war er freiwillig im Kampfeinsatz.

Als der Islamische Staat in Syrien und Teilen des Iraks die Macht übernahm, hatte die Propaganda auch Auswirkungen auf viele Deutsche. Nicht wenigen Menschen ließen sich von den Versprechungen der Terroristen verführen. Ganz anders aber Christian Haller. Er hatte irgendwann genug von den Gräueltaten und beschloß aktiv zu werden.

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Geheime Abreise

Es ist Anfang November 2013, als Christian Haller seinen Plan in Syrien gegen den IS zu kämpfen in die Tat umsetzt. Interessanterweise ähnelt seine Abreise vielen Deutschen, die sich später dem Terror-Staat angeschlossen haben. Er erzählt weder seiner Familie noch seiner damaligen Freundin etwas von seinem Vorhaben. Stattdessen packt Haller heimlich seine Sachen und verschwindet am Morgen, nachdem seine Freundin das Haus verlassen hat.

Mit ein paar warmen Sachen, 500 Dollar, dem Flugticket und dem Reisepass ausgestattet, geht es zunächst einmal nach München. Von hier fliegt Haller in den Irak, da es keine Direktflüge nach Syrien für Zivilisten in Deutschland gibt. Die Beamtin an der Passkontrolle schaut durchaus skeptisch, doch lässt ihn dann ziehen. Einige Stunde später setzt er erstmals Fuß auf arabischen Boden. Im Irak hat Christian Haller zunächst einmal ein Visum für 15 Tage. Er wird es um mehrere Monate überziehen.

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Der Weg nach Syrien

Wenig überraschend ist es gar nicht so einfach, in ein Krisengebiet wie Syrien einzureisen. Aus diesem Grund hatte Haller schon vor seiner Reise Kontakt zu den Lions of Rojava aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine Organisation, die Freiwilligen dabei hilft, nach Syrien zu kommen, um dort an der Seite der kurdischen Miliz YPG zu kämpfen. Die Voraussetzungen dafür sind denkbar einfach. Praktisch jeder kann sich den Kämpfern anschließen, wenn er über warme Unterwäsche, einen Reisepass und ein Flugticket in den Irak verfügt.

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Die Mitglieder den Organisation nehmen den Deutschen schon am Flughafen in Empfang. Von Irak aus geht die Reise mit Taxi und Jeep weiter. Am Ende wartet eine Schlauchbootfahrt über den Tigris. Nachdem er diesen überquert hat, ist Christian Haller in Syrien angekommen.

Ein Tag in der Ausbildung

Knapp zwei Wochen nach dem Beginn seiner Reise befindet sich der Deutsche am Ziel. Zunächst einmal landet er in einem Auffanglager für Neuankömmlinge. Haller ist nicht der einzige Kämpfer, der sich der kurdischen Miliz anschließen möchte. Nach der Ankunft erhalten die Neulinge eine kurze Grundausbildung. Im Falle von Christian Haller dauert diese exakt einen Tag. Im Anschluss gilt er als kampfbereit.

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Schon kurz nach der Ausbildung findet er sich im aktiven Dienst wieder. Auch das erste Gefecht lässt nicht lange auf sich warten. Bei einer Wache wird sein Posten plötzlich von IS-Kämpfern angegriffen. Haller greift zu seiner AK-47 und beginnt, das Feuer zu erwidern. Wirklich etwas sehen kann nicht. Trotzdem feuert er in die Dunkelheit.

Was motiviert einen Kämpfer?

Der Entschluss, aktiv gegen den IS in den Kampf zu ziehen, reifte in Christian Haller über Monate. Zu Hause auf der Couch sitzend, sieht er immer wieder die Gräueltaten der islamischen Terroristen. Er beginnt sich zu fragen, warum niemand etwas tut. Schließlich kommt er selbst zu dem Schluss, etwas unternehmen zu müssen. Eine wichtige Rolle spielt dabei auch, dass Christian Haller seinem Leben einen tieferen Sinn geben möchte.

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Darüber hinaus kann der Deutsche aus heutiger Sicht aber auch eine gewisse Abenteuersucht und das Ausbrechen aus dem Alltag nicht verneinen. Weder sein Job noch seine Beziehung erfüllte ihn zur damaligen Zeit und halfen dabei, den Entschluss zu treffen. Seine Freundin hält die Beziehung trotz seiner Reise nach Syrien zunächst weiter aufrecht. Am Ende trennen sich die beiden aber doch, da sie mit der Angst um ihn nicht umgehen kann.

Aus zwei werden sieben Monate

Trotz seiner Motivation muss Christian Haller in Syrien feststellen, dass er kaum wirklich zum Kämpfen kommt. Die Kurden sehen die europäischen Kämpfer eher als Gäste und schützen sie dementsprechend. Außer Patrouillen und Wachdienst gibt es in den ersten Monaten nicht viel zu tun. Als Haller dann auch noch krank wird, will er nach zwei Monaten eigentlich wieder nach Hause.

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Seine Einstellung ändert sich, als er einer neuen Einheit zugeteilt wird. Christian Haller gehört plötzlich zur Leibgarde eines Generalkommandeurs und kann sich fortan über nicht mehr über Langweile beschweren. Seine Einsätze führen ihn sowohl in kleine Dörfer, in denen es Spione zu finden gilt, als auch direkt an die Front in harte Feuergefechte. Der Deutsche sieht viel von dem Land, für das er kämpft, und bleibt schließlich noch fünf weitere Monate.

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Rückkehr nach Deutschland

Hallers Entschluss, am Ende trotzdem nach Deutschland zurückzukehren, entstand nach einem tragischen Ereignis. Nach einem Feuergefecht sollten er und seine Einheit die getöteten Kämpfer des IS aufsammeln. Einer der toten Feinde trug jedoch einen Sprengstoffgürtel, dessen Explosion einen Mann das Leben kostet und viele andere verletzte. In diesem Moment beendet Christian Haller für sich den Einsatz.

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Allerdings fragt er sich zunächst, ob er zu Hause noch willkommen ist. Aufgrund der Ähnlichkeit zur Ausreise vieler IS-Kämpfer besteht durchaus die Möglichkeit, dass ihn die deutsche Polizei bei seiner Rückkehr verhaftet. Aus diesem Grund nimmt Haller Kontakt mit dem Landeskriminalamt auf. Dieses hat zwar durchaus Nachforschungen angestellt, trotzdem wurde aber kein Verfahren eröffnet. Einer Rückkehr steht also nichts im Weg.

Die Rückreise erfolgt ähnlich wie der Hinweg. Im Irak wird es allerdings noch einmal teuer für Haller. Da er nie offiziell ausgereist ist, hat er sein Visum um mehrere Monate überzogen. 400 Dollar Strafe kostet es ihn, bevor er nach Hause fliegen darf. Mittlerweile ist Christian Haller wieder in Deutschland angekommen. Seine Erfahrungen haben ihn tief greifend verändert. Was er nun machen möchte, weiß er nicht. Ganz wichtig ist es ihn, weiter Menschen zu helfen.

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