Die Reise des Lebens von Otto: In der Mercedes G-Klasse durch 215 Länder Reisen & Outdoor

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Es begann als zweijährige Afrika-Reise und endete als Museumsstück. Rund 26 Jahre lang erkundete Gunther Holtorf die Welt und besuchte dabei über 200 Länder. Sein treuester Begleiter Otto steht nun im Mercedes-Museum.

„Wenn wir es bis hier hin geschafft haben, können wir ja auch noch etwas weiter fahren.“ Dies war das Motto mit dem Gunther Holtorf eine Reise begann, die ihn und seine Mercedes G-Klasse an fast jedes Fleckchen der Erde führten. Mit heute 79 kann Holtorf auf eine Reise zurückblicken, wie sie wohl nur wenige Menschen gemacht haben. Allein die zurückgelegten Kilometer sprechen eine deutliche Sprache. In seinen 26 Jahren auf der Strecke fuhr Holtdorfs G-Klasse rund 897.000 Kilometer.

Vom Cockpit hinter das Lenkrad

Auf die Idee für eine längere Reise kam Gunther Holtorf während seiner Zeit bei der Lufthansa. Damals sah er viele Regionen zwar vom Cockpit aus und wünschte sich, selbst einmal unten unterwegs zu sein. Seine Liebe zu Roadtrips entdeckte er schließlich bei einer zweimonatigen Südamerika-Rundreise. Nach deren Ende war ihm klar, dass er die Strecke unbedingt noch einmal mit einem Geländewagen abfahren wollte. Im Jahr 1989 machte Holtorf dann schließlich seine erste Testreise, musste aber feststellen, dass er und seine damalige Frau nicht für das gemeinsame Reisen bestimmt waren. Erst nachdem er 1990 seine neue Partnerin Christine gefunden hatte, ging es wirklich auf die große Fahrt.

Bevor sich Holtorf und seine Frau aber auf die Reise begaben, mussten sie erst einmal entscheiden, welches Gefährt ihre mobile Heimat werden sollte. Ein Wohnmobil schloss der angehende Weltenbummler schnell aus. Er hatte zu große Angst, dass das Gefährt ihn als Touristen outen und damit zur Zielscheibe für Räuber und Diebe machen würde. Ein LKW stand als Möglichkeit ebenfalls im Raum. Diese hätte das Platzproblem gelöst, barg jedoch auch die Gefahr, dass man sich mit unnötigem Gepäck überlädt. Als Alternative entschied sich Holtdorf schließlich für die Mercedes G-Klasse, da diese nicht nur Platz bot, sondern auch im Gelände ihren Mann stehen konnte. Die nötige Campingausrüstung für den Abenteuertripp konnte er problemlos in seinem Fahrzeug unterbringen.

Die G-Klasse wird zur Heimat

Die Entscheidung sollte sich als perfekt herausstellen. Die G-Klasse, die schon bald auf den Namen Otto getauft wurde, erwies sich als treuer Begleiter und dies unter Schwerlast. So wurde Otto von seinen Fahrern praktisch während der gesamten Reise überladen. Allein auf dem Dach fand sich Gepäck mit einem Gewicht von rund 400 Kilogramm. Insgesamt kam die G-Klasse sogar auf 3,3 Tonnen.

Trotz dieser Tatsache hatte das reisende Paar nie Probleme mit ihrem Otto. Auch nach fast 900.000 Kilometern war der Motor immer noch in einem hervorragenden Zustand und dies, obwohl die G-Klasse auch häufig abseits der normalen Straßen unterwegs war. Einen größeren Defekt gab es während der Reise nie, was aber auch an der vorausschauenden Wartung von Gunther Holtorf lag. So führte Holtorf über 400 Ersatzteile mit sich und tauschte häufig Dinge aus, bevor sie kaputt gehen konnten. Zudem baut er im Vorfeld der Reise alle Teile aus, die nicht benötigt wurden und Gefahr bargen, schnell einen Defekt vorzuweisen. Dies hatte zur Folge, dass Otto weder mit einer Standheizung noch einer Klimaanlage fuhr.

20 Jahren wie Siamesische Zwillinge

Der Startschuss für die große Reise fiel 1990. Zuvor hatte Gunther Holtorf in einer Zeitung nach einer neuen Partnerin gesucht, die seine Leidenschaft teilte. Er fand sie in Christine. Gemeinsam waren die beiden anschließend 20 Jahre unterwegs. Sie verbrachten jeden Tag zusammen und waren zwischenzeitlich beinah so etwas wie Siamesische Zwillinge. Nach ihrem Tod war Holtdorf noch einmal sechs weitere Jahre unterwegs, entweder allein oder begleitet von seiner neuen Freundin oder seinem Adoptiv-Sohn.

Die Zahlen, die sich in den insgesamt 26 Jahren angesammelt haben, sind ziemlich beeindruckend. Holtdorf und seine G-Klasse bereisten 215 Ländern, erlebten 410 Grenzübertritte außerhalb Europas, fuhren auf 41 Container-Schiffen und hatten 113 Hochsee-Fährpassagen. Dabei machten die Reisenden auch keinen Halt vor schwierigen Ländern wie Nord-Korea oder China. Holtdorf durfte als erste westlicher Reisende in seinem eigenen Auto durch Nordchina fahren. Das Ganze war natürlich auch nicht immer ungefährlich. Entsprechend sieht er seine Reisen weniger als Urlaub und mehr als ein Abenteuer. Überfallen oder ausgeraubt wurde Holtdorf während seiner Zeit nie, brenzlich wurde es hin und wieder aber doch. Auch würde er heute viele Länder nicht bereisen, die er vor einigen Jahren noch besucht hat.

Mit fast 80 Jahren kann Holtdorf heute auf ein einzigartiges Leben zurückschauen. Sein Rekord dürfte wohl für immer in den Geschichtsbüchern stehen und kaum noch zu knacken sein. Seine G-Klasse hat er mittlerweile verkauft und wer Otto einmal sehen will, wird im Museum von Mercedes Benz fündig.

Bilder und noch mehr Geschichten gibt es auf der offiziellen Seite ottosreise.de