Cold Response 2014 – Deutsche Fernspäher auf dem Gefechtsfeld in Norwegen Mentertainment

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Neun Tage lang trainierten 16.000 Soldaten aus 16 verschiedenen Nationen den Winterkampf in der norwegischen Stadt Narvik. Auch 336 deutsche Soldaten aus der Fernspählerkompanie 200 aus Pfullendorf trainierten im Rahmen des NATO-Manövers „Cold Response 2014“ im März auf dem Gefechtsfeld mit.



Die 16.000 Teilnehmer hatten in den neun Tagen mit den harten Witterungsbedingungen zu kämpfen. Zwar war es nicht so kalt wie schon in vergangenen Jahren, denn bei einem Manöver vor zwei Jahren wurden bis zu minus 20 Grad erreicht, während es dieses Jahr mit 0 Grad ziemlich mild war. Trotzdem setzen den Soldaten vor allem die extremen Wetterumschwünge von Regen über Schnee zu Hagel und die Nässe zu.

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Ein leichter Transporthubschrauber Bell UH-1D des Transporthubschrauberregiment 30 landet im Rahmen eines Übungsfluges in den Fjorden auf einer Schneefläche. Der aufgewirbelte Schnee (White Out) ist gefürchtet, weil er der Besatzung die Sicht nimmt. Bild: Bundeswehr/Vennemann

 

Beim Cold Response Manöver handelt es sich um eine Großraumübung, die alle zwei Jahre in Norwegen statt findet. Das Manöver spielt sich an Land, in der Luft und auf dem Wasser ab. Die Brigadeübung bildet den übergeordneten Rahmen. Im Übungsszenario kommt es zu einem Konflikt zwischen den beiden Staaten „Borgland“ und „Gardarland“. Es treffen die „Red Forces“ auf die „Blue Forces“.
Der Fokus der 336 Bundeswehrsoldaten liegt auf den SOF-Operationen. Bei diesen Operationen werden besondere Verfahren der spezialisierten Kräfte und Spezialkräfte trainiert. Die 336 deutschen Bundeswehrsoldaten auf dem norwegischen Luftwaffenstützpunkt Evenes setzen sich wie folgt zusammen: das Transporthubschrauberregiment 30 aus Niederstetten, die Fallschirmjäger mit erweiterter Grundbefähigung vom Fallschirmjägerbataillon 261 aus Lebach, die Fernspählehrkompanie 200, die Lufttransportgeschwader (LTG) 63, die Korvette Magdeburg, welche in die „Standing NATO Maritime Group 1“ integriert ist und die Soldaten des Marinefliegergeschwader 3 aus Nordholz.

Bei Cold Response müssen von den Soldaten besondere Gefahren einkalkuliert werden. Für die zwei Fernspähtrupps (einmal sechs, einmal neun Soldaten), die als erste ins Gelände verlegen und als letzte wieder zurück kommen, werden vor allem die kühlen Temperaturen zum Problem. Die zwei folgenden Gefahren müssen sie einkalkulieren:

  • Es besteht eine erhöhte Lawinengefahr (Stufe 3 und 4) im Übungsraum zwischen Bjerkvik, Setermoen und Bardufoss. Trotz akribischer Vorbereitungen im Vorfeld bleibt für die Soldaten immer ein Restrisiko.
  • Die Eisdecken sind vielerorts angetaut. Wer dort Abkürzungen nehmen will, kann womöglich einbrechen.

Die zwei Gefahrfaktoren engen die Soldaten in ihrer Bewegungsfreiheit zusätzlich ein. Denn in Norwegen ist die Bewegungsfreiheit an sich sowieso schon nicht sonderlich groß, da es viele Fjorde und schneebedeckte Berge und Täler gibt. Dadurch haben die „Red Forces“ und „Blue Forces“, die sich vor allem in gepanzerten Fahrzeugen bewegen, nur sehr wenige Bewegungsrichtungen und das Manöver kanalisiert sich auf wenigen Straßen.

Fernspäher gehören zu den Spezialkräften der Bundeswehr

Die deutschen Fernspäher sind bei der gesamten Cold Response die einzigen bodengebundenen leichten Aufklärer und die deutsche Bundeswehr ist somit einer der wenigen NATO-Staaten, die noch Fernspähkräfte unterhält. Beim „Capability-Briefing“ zum Beginn der Übung zeigt Major Alfred Hugger, was die Stärken deutschen Fernspäher sind. Dazu zählen: Großes Durchhaltevermögen, autarkes Operieren, Fähigkeit, an das geforderte Ziel durch unterschiedliche Verbringungsarten zu Lande, Wasser und in der Luft heranzukommen und Fernspäher können über einen langen Zeitraum Bilddaten in nahezu Echtzeit an den Gefechtsstand übermitteln (sind Tag und Nacht am Objekt).

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Fernspäher der Fernspählehrkompanie 200 trainieren die Verwundetenversorgung an einem Kameraden. Bild: Bundeswehr/Vennemann

Jedoch sind die deutschen Fernspäher bei der Infil- und Exfiltration auf andere Einheiten angewiesen. „“Wenn wir nachts beispielsweise mit der Bell UH-1D in das Gebiet einfliegen, müssen wir eine gewisse räumliche Distanz zum Objekt einhalten damit unsere Infiltration unbemerkt bleibt”“, erklärt Hugger das Vorgehen. Danach bewegen sie sich mit Ski- oder Schneeschuhen, schwer bepackt mit persönlicher Ausrüstung, Waffen und Munition vom Absetzpunkt bis zum Objekt. Dabei kann der Anmarschweg bis zu zehn Kilometer lang sein, was eine sehr hohe körperliche Belastung bedeuten kann. Nach dem Anmarsch müssen die Fernspäher dann noch ihr Beobachtungsversteck aufbauen. Dort harren sie bis zu zehn Tage aus. „Hier ist die große Kunst der Selbstdisziplin gefragt”, sagt der Kompaniechef. „Ich erwarte von den Männern nicht nur körperliche Robustheit, sondern auch eine sehr hohe geistige Flexibilität. Sie müssen immer den Auftrag im Auge haben und wissen, wie sie sich richtig verhalten, wenn etwas schief geht. Das gilt für die Aufklärung der eigenen Position oder wenn sie in ein Feuergefecht geraten.” Denn sobald nach dem Absetzen die Funkverbindung endet, sind die autark operierenden Kräfte auf sich alleine gestellt.

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Besonders wichtig ist im arktischen Norwegen die Kameradenhilfe. Geruht und aufgeklärt wird in Schichten, denn es ist von großer Bedeutung, dass auch jeder noch bspw. am sechsten Tag hellwach und fit ist. So verpasst niemand eine wichtige Person oder den entscheidenden Hägglund. Außerdem achtet jeder auf den anderen, denn jeder muss genug Warmes essen und trinken, um nicht zu frieren. Das alles findet unter der Maßgabe statt, Feuerdisziplin walten zu lassen, denn sonst besteht die Gefahr, dass die Truppen durch offenes Feuer entdeckt werden. Trotzdem muss man im kalten Norden besonders aufpassen, dass man nicht friert. Wenn jemand nasse Klamotten hat, müssen diese sofort gewechselt und durch Körperwärme im eigenen Schlafsack getrocknet werden. Dieses Jahr hatten die deutschen Soldaten aufgrund der relativ milden Temperaturen mehr Glück, als drei spanische Soldaten vor zwei Jahren. Diese mussten ihren Auftrag aufgrund von Erfrierungen an den Zehen ausfallen lassen, was ein eindeutiges Abbruchkriterium ist.

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Nach sieben Tagen sind alle Fernspäher wohlbehalten und unerkannt in den Luftwaffenstützpunkt in Evenes zurück gekehrt. Insgesamt haben sie 200 Feindmeldungen weiter gegeben.

Der mittlerweile 52 Jahre alte Fernspählerkompanie wird 2016 nicht mehr an Cold Response teilnehmen. Zum 31. Dezember 2015 wird einer der ältesten Einheiten des deutschen Heeres aufgelöst.

Titelbild: Bundeswehr/Bender

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