Die Bier-Pipeline – „Sehen und trinken in Brügge“ Mentertainment

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Ein belgischer Brauereichef macht den Traum vieler Männer wahr. In Brügge gibt es fortan eine eigene Bier-Pipeline direkt unter der Stadt. Leider führt die Leitung noch nicht in die Wohnungen der Einheimischen, auch wenn diese vom Bau profitieren konnten.

Als Renaat Landuyt, seines Zeichen Bürgermeister von Brügge, zum ersten Mal mit der Idee einer Bier-Pipeline konfrontiert wurde, hielt er diese zunächst einmal für einen schlechten Witz. Zu abgefahren schien ihm der Vorschlag, auch wenn er natürlich unterschätzte, dass echte Männer beim Thema Bier keine Scherze machen. Und so stellten sich die Pläne rund um die Bier-Pipeline schließlich als sehr real heraus. Hinter der Idee stand der Braumeister Xavier Vanneste, der gleichzeitig auch Chef der Traditionsbrauerei De Halve Maan ist. Vanneste wollte mit seinem Plan ein ganz reales Problem lösen. Auch wenn ein ständiger Bierhahn für viele Männer grundsätzlich eine gute Idee ist, egal, warum diese gebaut wird, ging es dem belgischen Brauer vor allem um sein Unternehmen. Unabhängig davon stieß der Vorschlag auch in der Bevölkerung auf viel Gegenliebe. Viele Einheimische waren nur zu gern bereit, selbst in das Projekt zu investieren.

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Eine Alternative zu Tanklastern

Hintergrund für Vanneste Idee einer ständigen Bier-Pipeline war die Lage seiner Brauerei. Diese befindet sich inmitten der Altstadt von Brügge, wo sich die Möglichkeiten zu expandieren in Grenzen halten. Dummerweise ist das Unternehmen von Vanneste in den vergangenen Jahren stetig gewachsen, sodass es nun immer schwieriger wurde, die entsprechende Anzahl an Flaschen in der Brauerei abzufüllen. Um die Nachfrage abzudecken, setzte die Brauerei daher Laster ein, die das gute Bier über Kopfsteinpflasterstraßen in einer Abfüllanlage außerhalb der Stadt brachten. Gerade für den Verkehr der Stadt ist es natürlich nur bedingt förderlich, wenn jeden Tag fünf bis sechs Tanklaster durch die engen Gassen fahren. Eine Bier-Pipeline erschien dem Brauereimeister daher als die ideale Lösung. Nachdem auch der Bürgermeister davon überzeugt werden konnte, dass der Plan kein Witz, sondern tatsächlich eine sinnvolle Idee war, gab es grünes Licht.

Es wird gebaut

Wenn man bedenkt, was für eine gute Erfindung eine Bier-Pipeline eigentlich ist, stellt sich durchaus die Frage, warum bisher noch niemand eine solche verwirklich hat. Anhand des Projektes der Brauerei De Halve Maan wurde allerdings schnell deutlich, dass die Sache etwas schwieriger ist, als einfach nur ein Bierrohr zu verlegen. Insgesamt vier Jahre dauerten die Planungen am Ende. Dabei ist das Grundproblem gar nicht so viel komplexer als bei einer Wasserleitung. Für die Bier-Pipeline nutzte man lebensmittelfreundliche Rohre aus besonders harter Plastik. Diese besitzen die Eigenschaften, dass sie sich gut reinigen und keimfrei machen lassen. Etwas, dass bei Bier ja grundsätzlich nicht schaden kann. Die Verlegung erfolge in einer Tiefe von 2 bis 34 Metern, wobei die Pipeline nun quer durch die Stadt führt, die ja auch als Unesco-Kulturerbe eingetragen ist. Erstmals Bier soll dann ab Anfang September durch die Rohre fließen. Pro Stunde können dann 4000 Liter von der Brauerei zur Abfüllanlage geschickt werden.

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Bürger beteiligen sich

Wenig überraschend fand der Plan einer Bier-Pipeline in Brügge schnell viele Anhänger. So kam Braumeister Vanneste auf die Idee, einen Teil der vier Millionen Euro Baukosten über Crowdfunding zu finanzieren. Wer Interesse hatte, konnte einen frei wählbaren Betrag zur Pipeline beisteuern und erhielt dafür eine Belohnung. Allerdings wurden die richtigen Bierfans zunächst einmal enttäuscht. Auch für die höchst mögliche Summe gab es leider keinen eigenen Bieranschluss an die Pipeline. Trotzdem drehten sich die Belohnungen bei der Aktion hauptsächlich um das Thema Bier. Je nachdem, wie viel Geld man spendete, warteten unterschiedliche Biergeschenke.

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Der Topspender erhielt von der Brauerei sogar Bier auf Lebenszeit. So kann er sich von jetzt bis zum Ende seiner Tage, oder dem Moment an dem die Brauerei Pleite ist, jeden Tag eine Flasche Bier abholen. Dies ist zwar nicht unbedingt mit einer tatsächlichen Bier-Pipeline vergleichbar, kommt dem aber trotzdem so nahe, wie es aktuell in Brügge geht. Die Möglichkeit einer tatsächlichen eigenen Bierleitung dürfte allerdings generell noch etwas auf sich warten lassen. Ein Pioniere wie Xavier Vanneste hat aber bewiesen, dass das Konzept grundsätzlich möglich ist und damit vielen Bierfans auf der Welt Hoffnung gegeben, dass der Traum vom nie endenden Bier einmal in Erfüllung geht.

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