Die verrückte Reise von Reg Spiers im Paket nach Australien Mentertainment

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Wer kein Geld für ein Flugzeugticket hat, der muss kreativ werden. Dies dachte sich auch der Australier Reg Spiers und lies sich per Post von London nach Perth schicken. Über 63 Stunden war der Australier bei seiner unglaublichen Reise unterwegs.



Reg Spiers war 22 Jahre alt, als er 1964 mittelos in London strandete. Als Speerwerfer hatte der Australier ursprünglich geplant, sich während der verschiedenen Leichtathletik-Wettbewerbe in London für das australische Nationalteam zu qualifizieren. Dummerweise vergaß er dabei, für ausreichend Finanzen zu sorgen und musste schon bald feststellen, dass er nicht über die Mittel verfügte, um das Land wieder zu verlassen. Dies wäre an sich kein Problem gewesen, hätte zu Hause in Australien nicht die kleine Tochter des Speerwerfers gewartet. Als der Geburtstag des Mädchens immer näher rückte, entwickelte Reg Spiers gemeinsam einen tollkühnen Plan. Als Frachtgut getarnt und in einer Holzkiste verpackt, wollte sich der Australier nach Perth verschicken lassen.

Vorbereitung ist alles

Für die Reise nach Australien überließen Reg Spiers und sein Kumpel McSorley nichts dem Zufall. Die Kiste, in der sich der Speerwerfer verschicken lassen wollte, umfasste 1,50 Meter mal 90 Zentimeter mal 75 Zentimeter. Der blinde Passagier hatte also nicht übermäßig Platz, da aber auch im Transportwesen ein Flug nicht günstig war, musste er sich mit seiner Box arrangieren. Zur eigenen Sicherheit verbaute McSorley zudem im Inneren einige Gurte, damit Spiers während des Transportes nicht herumrutschte. Das eigene Gepäck wurde ebenfalls auf ein Minimum reduziert.

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Reg Spiers führte lediglich eine Decke, ein Kissen, eine Taschenlampe, ein paar Dosen mit Essen sowie seinen Reisepass mit sich. Dazu kamen zwei Flaschen, eine zum Trinken und eine für den Urin. Auf weiteres Gepäck wurde aus Gewichtsgründen verzichtet, schließlich hätte es den Transportpreis in die Höhe getrieben. Reg Spiers verzichtete in der Vorwoche zudem auf das Essen. Auf diese Weise plante er, seine Körperfunktionen möglichst niedrig zu halten und wenige Nahrung und Flüssigkeit während der Reise zu verbrauchen.

Nachdem die Reisevorbereitungen abgeschlossen waren, lies er sich von McSorley zum Flughafen bringen, wo das Paket ohne Probleme angenommen wurde. Wenig später begann die Reise, welche sich jedoch als erheblich länger als ursprünglich geplant erweisen sollte.

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63 Stunden unterwegs

Ursprünglich sollte die Reise von London nach Perth rund 40 Stunden dauern. Allein dieser Zeitraum dürfte sich schon als alles andere als angenehm erweisen, wenn man einen großen Teil der Reise in einer kleinen Holzbox steckt. Zum Glück hatten Reg Spiers und sein Freund vorgesorgt und die Kiste mit Öffnungsmöglichkeiten versehen. So konnte sich Spiers im Frachtraum die Beine vertreten, da die Crew diesen während der Reise praktisch nie aufsuchten. Ein Zwischenstop in Mumbai machte die Sache für Reg jedoch plötzlich problematisch. Das Flugzeug konnte aufgrund dichten Nebels nicht weiterfliegen und saß fast 24 Stunden fest. Diese Zeit verbrachte der Australier praktisch ausschließlich in seiner Kiste. Besonders unangenehm wurde es während der Mittagszeit. Die Flughafenarbeiter hatte die Kiste in der prallen Sonne stehen lassen und brachten Reg Spiers an den Rand der Aufgabe. Er stand kurz davor zu dehydrieren und hatte sich zwischenzeitlich sogar nackt ausgezogen. Wäre es zu diesem Zeitpunkt zu einer Entdeckung gekommen, dann hätte Spier sich sicherlich auf einige interessante Gespräche mit den indischen Behörden einstellen können.

Freund verständigt die Behörden

Letztendlich überstand der an Hitze gewöhnte Australier jedoch auch die sonnigen Mittagsstunden auf dem Rollfeld in Mumbai und die Reise wurde fortgesetzt. Genau 63 Stunden nach dem Start in London setzte das Flugzeug in Perth auf. Reg Spiers, mittlerweile wieder bekleidet, befreite sich aus seiner Kiste, griff sich seinen Reisepass und passierte problemlos die Kontrollen. Im Anschluss stieg er in ein Taxi und fuhr zu seiner Familie nach Adelaide.

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Das ganze Abenteuer des Reg Spiers wäre vermutlich nie entdeckt worden, hätte der Australier nicht vergessen, seinen Freund McSorley in London über die Ankunft zu informieren. Dieser begann sich schließlich Sorgen zu machen, nachdem er nichts von seinem Kumpel hörte. In Panik alarmierte McSorley die Behörden, die den Australier allerdings gesund und munter in seiner Heimat aufspürten. Reg Spiers kam anschließend ohne Strafe davon. Anscheinend von seiner Reise angestachelt, begann er jedoch in den folgenden Jahren eine Karriere als Drogenschmuggler und wurde unter verschiedenen Namen in unterschiedlichen Ländern gesucht. Heute lebt der 71-Jährige in seiner Heimat in Adelaide.

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Nachahmung nicht empfehlenswert

Wer sich von der Geschichte Spiers nun inspiriert fühlt und im Keller auch noch die eine oder andere Kiste herumstehen hat, sollte sich die Sache jedoch noch einmal genau überlegen. Die Sicherheitsvorkehrungen an den weltweiten Flughäfen haben sich aufgrund der Terrorangst so weit verstärkt, dass eine ähnliche Reise praktisch unmöglich ist. Vor allem die amerikanischen Behörden sind alles andere als tolerant, wenn jemand die Sicherheitsbestimmungen an Flughäfen missachtet. Letztendlich ist es sicherlich klüger, wenn man sich einfach ein Ticket bei einem Billigflieger sichert. Der Komfortgrad mag sich zwar kaum unterscheiden, dafür bewegt man sich aber in einem rechtssicheren Raum.

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