Colonia Dignidad – die brutale Sekte in Chile Mentertainment

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Über Jahrzehnte folterten und missbrauchten Sektenführer Paul Schäfer und seine Getreuen in Chile Männer, Frauen und Kinder. In der Colonia Dignidad fanden so viele Gräueltaten statt, dass man sie kaum glauben möchte. Manche beschäftigen die Justiz bis heute.



Die Colonia Dignidad ist eines der schlimmsten Beispiele jüngerer Zeitgeschichte, die zeigen, zu welchen Gräultaten Menschen fähig sind. Wer heute von den Grausamkeiten liest, der kann oft kaum glauben, was sich in der abgelegenen Enklave in Chile über Jahrzehnte abgespielt hat. Folter, verbotene Experimente und Kindesmissbrauch haben die Leben von unzähligen Menschen zerstört. Heute ist der Ort ca. 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago de Chil zu einem Mahnmal geworden. Die Bewohner, viele ehemalige Opfer, sind sich jedoch selbst uneins, ob man mit dem eigenen Leid eine Touristenattraktion aufbauen darf. Und auch die deutschen Behörden mussten sich erst kürzlich wieder mit ehemaligen Tätern beschäftigen.

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Folter-Sekte in Chile

Ihre Anfänge nahm Colonia Dignidad 1956, als der ehemalige evangelische Jugendpfleger Paul Schäfer, ehemalige Baptisten-Prediger Hugo Baar und eine Gruppe Gleichgesinnter in der Nähe von Siegburg ein Erziehungsheim für Kinder und Jugendliche gründeten. Schon bald mussten die Mitglieder der Gruppe jedoch nach Chile fliehen, da die deutschen Behörden Ermittlungen wegen Kindesmissbrauch aufgenommen hatten. In Chile gründete die Gruppe die Kolonie Colonia Dignidad. Während der 70er Jahren begann der Ort dann, mit Geheimdienst der Pinochet-Diktatur zusammenzuarbeiten. Der Geheimdienst brachte über Jahre politische Gefangene nach Colonia Dignidad, um sie dort zu foltern. Gleichzeitig setzten Schäfer und verschiedene andere Mitglieder auch den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen fort, wozu auch Quälereien mit Elektroschocks und Psychopharmaka gehörten.

Colonia Dignidad

Das Ende der Sekte

Die chilenische Regierung bekam auch lange nach dem Ende der Diktatur das Problem der Colonia Dignidad nicht in den Griff. Eigentlich hatte sich Chile bereits schon Anfang der 90er Jahre wieder in eine Demokratie verwandelt. Die Ermittlungen gegen die Gemeinschaft kamen jedoch nur langsam voran. Im Jahr 1996 musste Paul Schäfer dann schließlich doch vor der Polizei fliehen. An seine Stelle traten jedoch schnell andere Mitglieder der Organisation und es änderte sich wenig an den Zuständen in der Enklave. Erst 2006 mit der Verhaftung Schäfers setzten die Behörden den Verhältnissen offiziell ein Ende. Schäfer und viele seiner Gefolgsleute gingen ins Gefängnis.

Colonia Dignidad

Colonia Dignidad

Bis heute bleiben Spuren

Interessanterweise blieben nach dem Sektenende viele der Opfer von Colonia Dignidad in der Enklave und machten den Ort über die Jahre sogar zu einer Touristenattraktion. Heute kommen fast täglich Touristen und besuchen die früheren Orte des Schreckens. Nicht alle der Opfer sind damit jedoch einverstanden. Zwischen den Überlebenden gibt es durchaus Streit darüber, ob man den Ort, an dem man vergewaltigt und gefoltert wurde, und dies oft in jungen Jahren, einfach so zu einer Touristenattraktion machen kann. Selbst in Deutschland beschäftigen sich die Behörden nun wieder mit den Tätern der Colonia Dignida. So gelang es Hartmut Hopp, dem früher Arzt der Sekte, im Jahr 2010 nach Deutschland zu fliehen und damit seiner Haftstrafe zu entgehen. Nachdem die deutschen Behörden eine Auslieferung verweigerten, soll Hopp seine Strafe nun aber zumindest in einem deutschen Gefängnis absitzen. Ein sogenanntes Exequaturverfahren wurde im vergangenen Jahr eingeleitet, kann sich jedoch durchaus länger hinziehen.

Colonia Dignidad Screenshot

Colonia Dignidad

Kinofilm arbeitet Schrecken auf

Wer sich ein Bild von den Schrecken der Colonia Dignidad machen möchte, bekommt dazu aktuell im Kino die Möglichkeit. Der Film Colonia Dignidad – Es gibt kein Zurück greift die Geschichte um die Sekte und deren Führer Paul Schäfer auf, basiert jedoch auf einer fiktiven Handlung. Die beiden Hauptfiguren, gespielt von Emma Watson und Daniel Brühl, haben nie real existiert. Ihr Schicksal ist jedoch dem der vielen Opfer nachempfunden und so bietet der Film einen düsteren Einblick in die damaligen Geschehnisse.

Colonia Dignidad

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