MENIFY Spezial: Der schwere Neuanfang von Kriegsheimkehrer Gerhard Lange Spezial

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Nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1945 kam Gerhard Lange in britische Kriegsgefangenschaft, die insgesamt 3 Jahre lang andauerte. In 1948 konnte er schließlich nach Hamburg zurückkehren. Doch den Einstieg in ein neues Leben machten ihm auch die Behörden leider nicht einfach.



Sechs Jahre zuvor wurde der Kriegsheimkehrer Gerhard Lange zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Drei Jahre später kam er in Kriegsgefangenschaft. Zunächst in England und später wurde er in das Munster-Lager in der Lüneburger Heide verlegt, von wo er mit einigen hundert Männern aus der Gefangenschaft entlassen wurde. Zu dieser Zeit war der Kriegsheimkehrer gerade 23 Jahre alt. Die schlimmen Erfahrungen machten es ihm nicht gerade leicht, wieder dort anzuknüpfen, wo sein Leben vor einigen Jahren unterbrochen wurde. Seine Eltern waren tot und sein Elternhaus zerbombt. Der einzig Überlebende war sein Onkel, dessen Frau und zwei Kinder. Sie lebten zusammen gerade in einem kleinen Zimmer. Auch die Stadt Hamburg hatte sich noch nicht erholt. Erst nach der Währungsreform im Juni 1948 machte sich ein Aufschwung ganz allmählich bemerkbar.

An den Kajen

Schwerer Neubeginn nach dem Krieg

Gerhard LangeDie ersten Anlaufschwierigkeiten machten sich recht schnell bemerkbar, als sich Gerhard Lange an die zentrale Meldestelle wendete. Da er keine Wohnadresse angeben konnte, wurde er zu einer Sammelunterkunft geschickt, die sich am Hochbunker am Hauptbahnhof befand. Bevor es sich auf den Weg dorthin machte, besuchte er zunächst die Familie von einem alten Schulfreund in seiner alten Wohngegend. Dort wurde er sehr herzlich empfangen und als er von der Sammelstelle erzählte, lud ihm die Familie zum Bleiben ein. Auch wenn die Gegebenheiten bei der Familie sehr beengt waren, wurde der Kriegsheimkehrer sehr herzlich aufgenommen. Doch die Nachkriegszeiten waren eine sehr schwere Zeit, so dass es ein täglicher Kampf war für Lebensmittel zu sorgen. Zur Haushaltskasse konnte er nicht viel beitragen, so dass er auf die Großzügigkeit der Familie angewiesen war. Diese problematische Situation lag damit zusammen, dass zurückgekehrte Beamtenanwärter nochmal genauestens überprüft wurden. Gerhard Lange war sein 1941 ein Anwärter im Gehobenen Dienst vom Reichsfinanzverwaltungsamt. Einen Lehrgang hatte er sogar mit dem Prädikat „gut“ abgeschlossen. Aufgrund dessen hatte er sich auch während seines Wehrdienstes und in der Gefangenschaft als Staatsdienst-Beschäftigter gesehen.

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Nach dem Ende vom Krieg musste man seine Eignung aber erneut nachweisen. Durch den großen Andrang an Beamten aus den Ostgebieten von Hamburg und den Abiturienten, war die Auswahl natürlich sehr groß. Die Behörden sollten so alle als ungeeignet einstufen, die im „Dritten Reich“ ausgebildet wurden. 10 Tage nach der Rückkehr Gerhard Langes wurde er zur Eignungsprüfung geladen. Dabei wurde nur die allgemeine Intelligenz geprüft. Gerhard Lange entschied sich beim Test dazu einen Aufsatz mit dem Titel „Das Buch, der Freund des Menschen“ zu verfassen. Dieser Aufsatz befasste sich mit der Geschichte von der Druckkunst und Buchherstellung. Dabei schrieb er auch ausführlich über die Werte der Literatur und dass das regelmäßiges Lesen die Vorstellungskraft anregt und fördert. Ein paar Wochen später wurde er zur Oberfinanzdirektion bestellt, um seine Prüfungsergebnisse entgegen zu nehmen. Doch die Beurteilung seines Aufsatzes fiel nicht gut aus. Der Aufsatz wurde stark kritisiert und seine Sprichwörter, die der Kriegsheimkehrer eingebaut hatte, wurden als geistesschwach betitelt.

Gerhard Lange startet ein neues Leben als Auswanderer

Gerhard LangeObwohl er daraufhin als ungeeignet eingestuft wurde, wurde er für das Amt im Mittleren Dienst zugelassen. Nach 3 Jahren hatte er das erste mal die Möglichkeit wieder aufzusteigen, hier wurde aber leider ein anderer Anwärter vorgezogen. Danach entschloss sich der Kriegsheimkehrer als Auswanderer in Übersee neu zu starten. So wollte er zumindest ein Teil seiner verloren gegangen Zeit nachholen. Dies gelang ihm dann auch in Australien, in Südafrika und später in Stuttgart.

In Australien arbeitete der Flensburger anfangs unter anderem als Bergarbeiter in Mt. Isa (Queensland) und als Rinderhirte auf der Victoria River Downs Station im Nordterritorium. Bis zum Jahre 1989 war Australien seine neue Wahl-Heimat, erst danach zog es ihn und seine Frau wieder nach Europa.

Heute lebt Gerhard Lange wieder in Hamburg, nach einem bewegten Leben mit vielen Geschichten.

Weitere Erzählungen und viele Bilder aus dem Leben des gebürtigen Flensburger Gerhard Lange gibt es auf seiner Homepage www.gelahh.de und in seinem Buch „75 Jahre im 20. Jahrhundert„.

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